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Menschenunwürdige Ausschaffungspraxis stoppen!

Wir sind schockiert, erschüttert und unglaublich wütend! Letzten Dienstag wurden zwei langjährige Teilnehmerinnen unseres Stimmen-Projekts ohne Vorwarnung mit ihren Familien nach Sri Lanka ausgeschafft.

Am frühen Dienstagmorgen, 21. November 2023 marschiert die Kantonspolizei auf Anordnung des Migrationsdienst des Kanton Bern ohne Vorwarnung ins Rückkehrzentrum Aarwangen ein. Dort holt sie Chandrika und ihren psychisch schwer kranken und suizidären Mann Amal mit ihren zwei Kindern Meluny (4) und Mikkela (3 Monate!!!) ab. Sie haben keine Zeit all ihre Habseligkeiten zusammenzupacken, auch die dringend notwendigen Medikamente für Amal können sie in der Aufregung nicht finden.

Wenig später im Rückkehrzentrum Enggistein: Auch die hochschwangere Thanu wird zusammen mit ihrem Ehemann Nesakumar und ihren zwei Kindern gezwungen, ihre Sachen zu packen.

Beide Familien werden nach Zürich gebracht. Dort werden sie mit weiteren Menschen, (insgesamt 25 Personen), darunter Familien und Kinder und schwangere Frauen in ein Flugzeug verfrachtet. Chandrika berichtet uns von an die 150 Polizist_innen, die diese Ausschaffung vollstrecken. Sie berichtet weiter davon, wie ihr Mann gezwungen wird starke Beruhigungsmittel einzunehmen. Vier Polizist_innen müssen den stark sedierten Mann ins Flugzeug tragen. Er wird den gesamten zehnstündigen Flug über nicht aufwachen. Das alles passiert vor den Augen seiner 4-jährigen Tochter, die durch ihre bisherige Lebensgeschichte bereits traumatisiert ist.

Thanu und Chandrika waren beide aktive Teilnehmerinnen des Projekts «Stimmen geflüchteter Frauen». Chandrika hatte am 10. November noch am Austausch mit Elisabeth Baume-Schneider teilgenommen und der Bundesrätin ihre persönliche Situation als Frau und Mutter im Schweizer Asylsystem geschildert.

Verstoss gegen Folterverbot

Die Ausschaffungspraxis vom 21. November ist für uns absolut unverständlich und skandalös! Es fanden im Vorfeld keine Rückführungsgespräche statt. Chandrika und Thanu hatten keine Möglichkeit, sich und ihre Familien auf diese Ausschaffung vorzubereiten. Die vier Kinder, die mit den Familien ausgeschafft wurden, sind ALLE in der Schweiz geboren und aufgewachsen und kennen Sri Lanka nicht. Thanu ist hochschwanger, eine gewaltvolle Ausschaffung ist ein grosses Riskio für das ungeborene Kind. Was uns weiter fassungslos macht, ist die Zwangsmedikation von Chandrikas Ehemann durch die Beamt_innen, welche sich jeglicher moralischer und ethischer Verpflichtungen entzieht. Es verletzt in krasser Weise grundlegende Rechte, wie etwa die Wahrung der Menschenwürde oder das Verbot von Folter und anderer unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung.

Wir kritisieren diese menschenunwürdige und gewaltvolle Ausschaffungspraxis aufs Schärfste und fordern, dass die kantonalen Behörden diese sofort unterbinden! Wir appellieren: Es geht hier um Menschenleben! Chandrika berichtet uns aus Sri Lanka, dass ihr Mann seit dem Flug vor 10 Tagen, seine Winterjacke (trotz den fast 30 Grad) nicht ausgezogen hat. Meluny, die 4-jährige Tochter von Chandrika wurde durch die Ausschaffung weiter traumatisiert. Chandrika befindet sich mit einem schwer kranken Mann und zwei Kleinkindern in einem Land, aus dem sie geflüchtet ist. Sie hat kein Geld und keine Papiere. Die Familie hat für zwei Wochen bei einer Freundin Unterschlupf gefunden. Eine Anschlusslösung gibt es nicht, genauso wenig wie eine adäquate psychiatrische Behandlung für Amal.