Freizeit darf kein Luxus sein!
Vom 21. bis 28. März 2026 fand die Aktionswoche gegen Rassismus statt, an der sich auch die Stadt Bern beteiligte. Das diesjährige Thema: Freizeit – ein Bereich, der oft unterschätzt wird, aber zentral für Teilhabe, Selbstbestimmung und Wohlbefinden ist.
Gemeinsam mit unseren Projekt «Stimmen geflüchteter Frauen» durften wir am 28. März im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus einen Workshop gestalten. Von und für migrantische und geflüchtete Frauen_ entstand ein Freizeitraum, in dem Aktivitäten unmittelbar erlebt werden konnten: beim kreativen Arbeiten mit Naturmaterialien und beim gemeinsamen kurdischen Tanz.
Ein besonderes Highlight war die anschliessende Podiumsdiskussion, in der Erfahrungen, Herausforderungen und Perspektiven rund um Freizeit in der Schweiz geteilt wurden.
Wir sind nicht eines eurer «Projekte»
Die Gespräche im Rahmen der Podiumsdiskussion machten deutlich: Für viele migrantische und geflüchtete Frauen_ ist Freizeit kein selbstverständlicher Teil des Alltags. Der Zugang dazu ist geprägt von strukturellen Barrieren, die sich auf mehreren Ebenen zeigen.
Sprachliche Hürden erschweren nicht nur den Zugang zu Informationen, sondern verstärken auch Unsicherheiten im Kontakt mit bestehenden Angeboten. Gleichzeitig fehlen Räume, in denen Begegnung auf Augenhöhe stattfinden kann. Räume, die nicht trennen, sondern verbinden und einen Austausch ermöglichen. Räume, in denen neue Aktivitäten ausprobiert werden können, ohne Voraussetzungen erfüllen zu müssen. Selbst bei guten Sprachkenntnissen berichten viele Frauen_ davon, sich nicht willkommen zu fühlen.
Hinzu kommen finanzielle Einschränkungen, die den Zugang zu kulturellen und gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Kursen, Veranstaltungen oder Ausflügen begrenzen. Auch der Überblick über bestehende Angebote fehlt oft. Insbesondere wird das dann zu einer Herausforderung, wenn Informationen nicht mehrsprachig oder nicht niederschwellig zugänglich sind. Im ländlichen Raum verschärfen sich diese Aspekte zusätzlich durch eingeschränkte Infrastruktur und geringere Angebotsvielfalt.
Gleichzeitig wirken Zuschreibungen und stereotype Vorstellungen: migrantische und geflüchtete Frauen_ werden auf bestimmte Rollen reduziert, ihre Interessen, Bedürfnisse und Ressourcen bleiben unsichtbar. In vielen Strukturen entsteht so der Eindruck, nicht als gleichwertige Teilnehmerin angesprochen zu sein, sondern als Teil eines «Projekts».
Freizeit ist politisch
Damit alle Menschen an Freizeitangeboten teilhaben können, braucht es strukturelle Veränderungen – und Räume, die bewusst inklusiv gestaltet sind. Aus den an der Podiumsdiskussion geteilten Erfahrungen leiten wir deshalb folgende Forderungen ab:
Mehrsprachige und niederschwellige Angebote, die echte Teilhabe ermöglichen
Finanzielle Zugänglichkeit, z. B. durch vergünstigte oder übernommene Kosten
Offene, durchmischte Räume, die Austausch statt Trennung fördern
Bessere Informationszugänge, z. B. durch zentrale Plattformen für Freizeitangebote
Mehr Sensibilisierung und Offenheit gegenüber migrantischen Perspektiven
Brückenpersonen, die unterschiedliche Lebensrealitäten verstehen und vermitteln können
Zeit und Ressourcen für Übersetzung, Austausch und gemeinsames Lernen
Die aktive Anerkennung von Vielfalt als gesellschaftliche Stärke
Freizeit ist kein Luxus, sondern ein zentraler Bestandteil von gesellschaftlicher Teilhabe!