Verantwortung teilen, Betroffene stärken
Im Rahmen der 16 Tage gegen Gewalt laden Brava, medica mondiale Schweiz und AlgorithmWatch CH zur Abendveranstaltung ein. Im Zentrum steht der traumasensible Umgang mit Geschlechtsbezogener Gewalt im digitalen Zeitalter.
Digitale Gewalt
Misogyne Dynamiken und feministischer Backlash
Geschlechtsbezogene Gewalt findet nicht nur auf der Strasse, in Beziehungen oder am Arbeitsplatz statt, sondern zunehmend auch online. Social-Media-Plattformen, generative KI und die Geschäftsmodelle der Tech-Industrie verändern, wie Gewalt ausgeübt wird, wie sie wirkt und wie sie sich gesellschaftlich verbreitet. Misogyne Dynamiken im digitalen Raum sind kein Randphänomen, sondern Teil eines grösseren gesellschaftlichen und feministischen Backlashs.
Digitale Gewalt als Teil eines gesellschaftlichen Kontinuums
Diese Gewalt ist kein Einzelfall, wie so oft in Medien und Öffentlichkeit dargestellt, sondern ein deutlicher Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse. Sie bildet ein Kontinuum, das von Sexismus und Abwertung bis zu körperlicher und sexualisierter Gewalt reicht. Darin ist digitale Gewalt keine abgetrennte Gewaltform, sondern deren Verlängerung in den digitalen Raum: Sie kann analoger Gewalt vorausgehen, sie begleiten oder verstärken. Wer sie verstehen will, muss deshalb die gesellschaftlichen Strukturen in den Blick nehmen, in die sie eingebettet ist.
Marginalisierte Personen sind besonders gefährdet
Wo sich verschiedene Diskriminierungsformen überlagern, steigt das Risiko, Gewalt zu erleben, und der Zugang zu Schutz und Unterstützung wird schwieriger. Deshalb sind nicht alle davon gleich betroffen. Besonders gefährdet sind etwa Frauen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrungen, LGBTQI+-Personen sowie Kinder und Jugendliche. Die Folgen reichen weit über den einzelnen Vorfall hinaus: (Digitale) Geschlechtsbezogene Gewalt wird gezielt eingesetzt, um Frauen und marginalisierte Personen einzuschüchtern und aus öffentlichen Debatten und Online-Räumen zu verdrängen und sie so unsichtbar zu machen.
Die Veranstaltung
Drei Perspektiven zu Geschlechtsbezogener Gewalt
An diesem Abend möchten wir gemeinsam fragen: Wie können wir Geschlechtsbezogene Gewalt – analog wie digital – erkennen, einordnen und traumasensibel handeln? Und was braucht es dafür jenseits von individuellem Engagement: Welche kollektiven und institutionellen Haltungen und Strukturen sind gefragt?
Die Veranstaltung verbindet drei Perspektiven: Brava ordnet Geschlechtsbezogene Gewalt als strukturelles Problem ein und zeigt die Dringlichkeit einer intersektionalen Perspektive und Haltung auf. AlgorithmWatch CH beleuchtet, wie Social Media, generative KI und die Tech-Industrie misogyne Dynamiken beeinflussen und welche Folgen die Gewalt für Betroffene und unser gesellschaftliches Zusammenleben hat. medica mondiale Schweiz zeigt mit dem STA - stress- und traumasensiblen Ansatz®, wie Unterstützung sicher, selbstbestimmt, handlungsstärkend und kollektiv gestaltet werden kann. In einer praxisorientierten Werkstatt übertragen die Teilnehmenden das Gehörte auf konkrete Beispiele aus ihrem eigenen Umfeld.
Für Fachpersonen, Aktivist_innen und Multiplikator_innen
Der Abend richtet sich an Fachpersonen, Aktivist:innen und Multiplikator:innen, die in ihrem beruflichen oder freiwilligen Alltag mit Geschlechtsbezogener Gewalt konfrontiert sind oder Betroffene begleiten, zum Beispiel aus Bildung, Sozialarbeit, Beratung, Migrations- und Asylkontexten sowie aus Community- und Solistrukturen.
Anmeldung
Die Teilnehmendenzahl ist auf 30 Personen begrenzt. Um Anmeldung wird gebeten.
Die Organisationen
Brava – ehemals TERRE DES FEMMES Schweiz ist eine Non-Profitorganisation und arbeitet seit über 20 Jahren zum Thema Gewalt an Frauen und Geschlechtsbezogene Gewalt in der Schweiz. Als schweizweit tätige Fachorganisation verfügt Brava über eine umfassende Expertise zu diesem Thema und dessen Schnittstellen zu Flucht, Asyl und Migration.
medica mondiale Schweiz ist eine feministische Frauenrechtsorganisation, die sich für Überlebende von sexualisierter Gewalt in Kriegs- und Krisengebieten einsetzt. Gemeinsam mit lokalen Partnerinnen bietet sie psychosoziale, medizinische und rechtliche Unterstützung an. Mit dem stress- und traumasensiblen Ansatz® (STA) gibt die Stiftung Fachpersonen ein Werkzeug in die Hand, um Betroffenen stärkend und solidarisch zu begegnen.
AlgorithmWatch CH ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die sich dafür einsetzt, dass Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) Gerechtigkeit, Demokratie, Grundrechte und Nachhaltigkeit stärken, statt sie zu schwächen. AlgorithmWatch CH untersucht die Auswirkungen der Technologie und sensibilisiert Politik und Öffentlichkeit.
Kontakt
Bei Fragen oder Anregungen zur Veranstaltung: